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Stationen in meinem Leben

 (Carentan, Frankreich)

Liebe Besucher und Besucherinnen,

Meine Jugend war eine einzige Schande. Überall habe ich mich wohlgefühlt, nur nicht daheim. Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich eigentlich gar kein richtiges ZUHAUSE wie man das eben so kennt. Gut nach dem Umzug in das Haus in der Hauptstrasse gegenüber der Bäckerei Hinkelmann hatte ich ein eigenes Zimmer. Aber es war zwar mein Zimmer, doch glaube nicht, dass das für mich meine Privatsphäre war - denn genau das hatte ich nicht. Abschließen konnte ich das Zimmer nicht von innen, ein Schloß war da, doch nicht der Schlüssel dazu den hatte mein Erzeuger für sich unten im Wohnzimmer in seinem Wandschrank eingeschlossen, er musste über alles die Kontrolle haben. Möbel hatte ich Bett (das halbe Ehebett vom alten Elternschlafzimmer); den Schlafzimmerschrank davon und die Kommode. Ein dunkles altes Holz, aber sauber gepflegt denn meine Mutter pflegte immer alle Möbel sehr gut. Vor dem einen Fenster stand meine Schlafcouch die ich in der vorherigen Wohnung im Wohnzimmer hatte. Am Kamin stand ein kleines Holzöfchen, denn Heizung hatten wir nicht.

Es hätte so schön sein können, so schön mit einem anderen Vater und meiner Mutter. Mein Vater wurde mehr und mehr brutaler gegen mich. Auch gegen meine Mutter, ich hielt ihr immer die Stange und versuchte ihr zu helfen doch es wurde immer schlimmer.

Schon kurz vor Feierabend, da arbeitete er noch in der Schuhfabrik Libelle wo er kurz nach 16.30 mit dem Fahrrad zu Hause war. Sobald sich der Schlüssel im Schloss drehte hatte ich Bauchschmerzen aus Angst, wie der Tag heute wieder verläuft, bzw. der restliche Abend. 

Nach der Schule wenn die Hausaufgaben fertig waren, dann musste ich mit dem Fahrrad los Kaninchenfutter holen (zwei vollgestopfte Kartoffelsäcke voll), Klee, Löwenzahn, Sauohren, uvm. ich habe mich immer angestrengt alles richtig richtig zu seiner Zufriedenheit zu machen, aber ihm etwas recht machen das konnte ich nie.

Taschengeld bekam ich nie. Freunde oder Schulfreunde hatte ich keine die zu mir kamen. Warum ? Weil sich niemand bei mir wohlfühlte, alleine das Auftreten meines Erzeugers. Er schrie herum, prügelte mich im Beisein von anderen was ihn nicht davon abhielt mich zu blamieren wo es nur ging. Ich schämte mich vor anderen. Schulfreundinnen oder einfach Freundinnen hatte ich so gut wie keine, wo ich mal hingehen konnte. Eine zeitlang ging ich zu Barbara Bock, sie wohnte in der Schwarzbachstrasse. Allerdings ging sie ab der 4. Klasse nach Pirmasens zum Gymnasium, da konnte ich nicht mithalten auch war es keine Freundschaft auf Augenhöhe, sie waren eine angesehene Familie,  der Vater war Prokurist damals bei Hornberger, sie hatten ein Haus, Barbara ihr eigenes Zimmer, spielte Klavier, da konnte ich mit nichts mithalten. Ihre Eltern kannten meine Familie und waren auch nicht sehr begeistert dass ich immer kam, so verfloss die Freundschaft nach einigen Jahren total.

Dann hatte ich noch in Burgalben die Romy, doch aufgrund ihres Vaters war ich damals diejenige die die Freundschaft aufgab.

Mehr hatte ich.nnicht meine Freunde waren die Kaninchen denen ich jedem ein Name gab, ich hatte ja jeden Tag das Futter holen müssen. Wenn der Erzeuger krank oder in Kur war dann musste ich die Kaninchen alleine versorgen und misten und füttern und und und. Das war die schönste Zeit denn da gab es keine Schläge, keine Misshandlungen und keine Schreiereien aber noch heute hätte ich mal ein Lob für meine gute geleistete Arbeit in dieser Zeit.

Aber fest stand schon in meiner Jugend, dass ich zu Hause im Elternhaus nicht alt werde. Ich hatte schon seit früher Kindheit den Drang weg, in die Welt, ganz ganz weit weg. Mit 12 Jahren hatte ich große Sehnsucht nach Afrika zu gehen. So habe ich mir die Adressen aller afrikanischen Konsulate auf der Post durch Telefonbücher

zu besorgen und schrieb diese alle an, was notwendig an Papieren war um dorthin zu können. Alle wurde beantwortet, doch bis heute hab ich es noch nicht nach Afrika geschafft.

 

Nr. 1 Carentan ( Frankreich, Normandie )

Carentan, eine Stadt in der Normandie, Nähe Cherbourg im Departement Manche ( 50 ). Diese Stadt hatte mit Waldfischbach eine Jumelage also eine Partnerstadt.

Dadurch machte man regelmäßige Austausche mit Besuchern sei es mit der Feuerwehr, Kirchenchor, Sportvereine u.v.m. So entstand bei vielen Familien echte dicke und feste Freundschaften. Auch wurde geheiratet, die erste Ehe das war beim Geschäft Busch, deren Tochter heiratete einen jungen Mann aus Carentan, den Betrand  Favray aus Carentan. Dieser Bertrand Favray war gerade in Waldfischbach sehr beliebt, denn er fungierte sehr oft als Übersetzer für Briefe, Veranstaltungen, etc.

Durch die Jumelage hatten wir ursprünglich 1 Familie kennengelernt. die Familie Chardine das war ein alter Mann und eine alte Frau mit einem einem kleinen Hund. Eine sehr angenehme nette Familie, meine Mutter und mein Erzeuger wurden bei diesem Ehepaar untergebracht für ein paar Tage als der Kirchenchor in Carentan eingeladen wurde. Dieses Ehepaar hatte zwei Töchter. Anike und Poulette. Anike war Lehrerin und mit Daniel verheiratet, Daniel leitete einen großen Schlachthof in St. Lo. Poulette war Chemielaborantin, sie war verheiratet mit Roland (Nachname weis ich nicht mehr). Auch dieser war Chemielaborant und beide arbeiteten bei Gloria (Gloria war ein großes Unternehmen wo Milchprodukte hergestellt wurden ) Poulette sie hatten keine Kinder, Anike hingegen hatten 2 Töchter. Anike die hatten einen großen Hütehund, fast weiß mit par dunklen Flecken, diese Hündin hieß Flicka. Poulette hatten einen Boxer, den Real. Der Boxer wird noch eine große Rolle spielen was Ihr später noch zu lesen bekommt.

Ich war inzwischen 15 Jahre alt geworden, viele Jahre nun hatten wir Freundschaft mit " unseren Franzosen ". Sehr oft waren wir dort oder sie kamen zu uns, Die Töchter hatten jeder einen großen Wohnwagen, das alte Ehepaar die zelteten oft brachten sie auch ein altes Ehepaar mit. Das war eine Frau die eine Parfümerie besaß mit ihrem Mann die Frau selbst war die beste Freundin von der alten Frau Chardine.

So, auch wenn es viel zu schreiben war, so habt Ihr aber einen kleinen Einblick über die Familie zu der ich abgehauen war.

Es war im Sommer 1975 wie so oft machte mein Erzeuger wieder einmal mir das Leben zur Hölle, worum es genau geht weis ich nicht mehr, jedenfalls hatte er mich hinunter zum Keller geschleppt und legte meinen Kopf auf den Hauklotz, stand mit der Axt vor mir und drohte mich umzubringen. Die Misshandlungen die er mir angetan hat wurden immer schlimmer und ich bekam immer mehr Angst.

Hatte ja auf dem Rosenberg gerade mein Praktikum gemacht, dafür musste ich mit ein Konto auf der Bank machen. Dafür ging ich damals zur Volksbank, diese war neben dem Markant Markt, dort war früher unser Garten und heute ist dort der LIDL.

Ich holte am nächsten Tag mein Geld ab und fuhr mit meinem Rucksack bewaffnet und ein paar Klamotten los. Meine Mutter war an diesem Morgen nicht zu Hause, so konnte ich in Ruhe alles an Klamotten packen was ich brauchte. Angeblich fuhr ich ja an diesem Morgen zum Arbeitsamt.

So fuhr ich zuerst dann nach Kaiserslautern an den Hauptbahnhof. Dort schaute ich dann wann der nächste Zug nach Paris fuhr, denn über Paris musste ich auf jeden Fall fahren, aber dann umsteigen zu einem anderen Bahnhof um dann in Richtung Normandie zu kommen. Also löste ich mir von Kaiserslautern direkt eine Fahrkarte nach Carentan. Den nächsten Zug nahm ich dann nach Paris. In Paris angekommen ( Paris lést ), dort ging ich mit meinem Ticket zur Information und erkundigte mich, wie ich zum richtigen Bahnhof kommen konnte, wo die Züge in Richtung Cherbourg abfuhren.

Das ging schnell die Info, denn ich kannte je einigermaßen gut französisch durch die Schule und die private Nachhilfe von Herrn Schiel.

(Herr Schiel war ein Schuhverteter und hatte nur Kunden in Paris, wo er maßgeschneiderte Schuhe vertrieben hat bei angesehenen Bürgern aus Politik, Wirtschaft u.ä. er hatte eine Frau die an Multiblesclerose erkrankt war. Und meine Mutter putzte dort in Pirmasens. Es war so angenehm denn sie nahm mich immer mit einmal die Woche während meine Mutter dort putzte, übte er mit mir französisch. Er war sehr streng aber aber es hat sich gelohnt, denn ich habe viel gelernt bei ihm. )

 

Wie oben gesagt, ich erkundigte mich, wie der Bahnhof hieß, zu dem ich musste und ich erfuhr den Namen. Es war der Bahnhof  " Saint sa la sare ", diesen erreichte ich mit der Ubahn METRO . Alles ging sehr schnell, ich fuhr mit der Metro hab auch die Strecke und Verbindung schnell gefunden. Als ich dann am richtigen Bahnhof war, ging ich zuerst zur Toilette und dann habe ich mir etwas zu essen geholt und was zu trinken und dann noch etwas zu trinken für im Zug.

So, den nächsten Zug zum Ziel Carentan nahm ich, ich hatte jetzt mindestens 7 Stunden Fahrt am Stück vor mir, abends gegen 21.00 Uhr kam ich am Bahnhof in Carentan an. Jetzt wusste ich leider nicht den Weg zu Fuß vom Bahnhof zur Rue Sebline 22. Ich wusste nur, dass es nicht weit war, fand aber keinen Stadtplan. So nahm ich mir ein Taxi, es dauerte noch keine 4 Minuten bevor ich an der Haustüre stand von der Rue Sebline 22.

Das alte Ehepaar wusste ja gar nicht, dass ich komme.

Kurz nachdem ich geklingelt hatte kam Frau Chardine an die Türe, groß war die Freude bei ihr als sie mich da stehen sah, sie holte mich direkt rein. Er kam dann auch gleich - Küsschen und drücken, beide hatten gerade zu Abend gegessen und waren beim Pudding aus einer Blechdose. Ich musste zuerst noch etwas essen und dann fragten sie mich was ist, warum ich so unangemeldet hier bin, sie freuen sich aber sind besorgt. Große Worte bekam ich nicht heraus, sie merkten schnell, dass etwas nicht stimmt und dass ich abgehauen bin von Zuhause. Wir saßen dann im Wohnzimmer und kurz darauf sagte sie, dass sie noch zur Frau Larose müsste, aber gleich zurück sei. Ich war halt sehr müde durch die lange Fahrt. Ich glaubte ihr das, denn um nachzudenken war ich zu müde - ich glaube ich habe an gar nichts gedacht in dem Moment nur dass ich froh war, dass ich in Sicherheit bin.

Frau Chardine ging zwar zu Frau Larose, jedoch zu telefonieren, nicht mit meinem Zuhause, wir hatten ja kein Telefon. Sie rief den Berttand Favray an, erklärt ihm, dass ich bei ihnen bin und dass meine Mutter und Erzeuger sicherlich nicht wissen wo ich bin, dass er dort Bescheid sagt dass es mir gut geht.

Dann war sie wieder zurück. Frau Chardinne machte mir mein Bett im Gästezimmer zurecht und machte mir eine Bettflasche da es trotz Frühsommrs noch recht kalt nachts war. Frau Chardinne und ihr Mann sprachen kein Deutsch, deswegen rief sie auch von Larose an weil ich ja das meiste verstanden hätte.

Am nächsten Morgen rief dort meine Mutter an, sie konnte ja auch kein Französisch, aber deutsch mit mir. Zuerst schimpfte sie und machte mir Vorwürfe, kannst Du Dir ja vorstellen. Es ist jetzt schon so lange her, genau wie und was bekomme ich nicht mehr genau zusammen. Nach drei Tagen hatte sie mich soweit, dass ich wieder zurück nach Waldfischbach fuhr und dass meine Mutter eine Lösung hatte wo wir in Ruhe darüber reden.

Abends spät kam ich dann in Waldfischbach an. Gleich noch am Bahnhof musste meine Mutter die Frau Chardine anrufen und sie beruhigen, dass ich nicht unterwegs wieder abgehauen bin woanders hin.

Natürlich machte mein Erzeuger zu Hause Stress hielt sich aber dann meiner Mutter zuliebe zurück. Das Wochenende darauf kam meine Patentante mit ihrem Mann zu uns um mit mir eine evtl. Lösung zu besprechen. Das erste mal hatte ich das Gefühl dass ich ernst genommen werde.

Euer

Daniel-Thomas Müller

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